Das Lufttransportgeschwader 61

Am 24. August 1957 wurde das Luftransportgeschwader 61 auf dem Fliegerhorst Erding durch den damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef-Strauß als erster fliegender Verband der neuen deutschen Luftwaffe in Dienst gestellt. Somit ist das Geschwader der älteste Einsatzverband der Luftwaffe. Im Jahre 1958 erfolgte zunächst eine Verlegung nach Neubiberg bevor der Verband 1971 seine endgültige Heimat Penzing fand.

Die etwa 1.100 Soldaten und 500 zivilen Mitarbeiter des Verbandes arbeiten für den Bereich Lufttransport der Bundeswehr. Von Beginn an mit starker süddeutscher Prägung, hat sich das Geschwader in enger Verbundenheit mit der bayerischen Bevölkerung weit über die Grenzen des Freistaates hinaus durch seinen Einsatz einen guten Namen gemacht.

Einsatzbereitschaft, Flexibilität und Zuverlässigkeit sind die Forderungen an den Lufttransport. Diese sind auch dann zu erfüllen, wenn, wie zum Beispiel im Rahmen der zunehmenden Hilfseinsätze im Auftrag der Vereinten Nationen der Fall, weder moderne Infrastruktur noch eine umfangreiche uns vertraute materielle Ausstattung verfügbar sind. Nur ein Miteinander aller Beteiligten ermöglicht unter diesen Voraussetzungen die zeit- und sachgerechte Erfüllung von Aufträgen.

Im In- und Ausland werden allgemeine Lufttransporte, Flüge im Rahmen des Rettungs- und Katastropheneinsatzes sowie Einsätze im Rahmen humanitärer Hilfeleistung durchgeführt.

Mit den Flugzeugmustern C-47 "Dakota", Nord 2501 "Noratlas" und C-160 "Transall" und dem leichten Transporthubschrauber Bell UH-1D hat der Verband Lufttransportgeschichte geschrieben. Mit der Ausrüstung zweier Haupteinsatzmuster - jahrelang einzigartig in der Luftwaffe - wurde das Geschwader Vorbild für die Umgliederung der übrigen taktischen Lufttransportverbände im Jahr 1993.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist zur Durchführung von Lufttransportaufträgen die C-160 "Transall" im Einsatz. Ihre robuste Konstruktion sowie die Fähigkeit, auf provisorischem oder unvorbereitetem Untergrund zu operieren, ließen sie als "Engel der Lüfte" in die deutsche Luftfahrtgeschichte eingehen.

Ein Flugzeug mit den Eigenschaften der Transall und dem sich daraus ergebenden Einsatzspektrum verlangt von Besatzungen und Technikern ein großes Maß an Wissen und Können. Ihren hohen Leistungsstandard stellten Angehörige des Geschwaders bei verschiedenen Wettbewerben unter Beweis.

Hilfe für Menschen in Not, oft unter schwierigsten Bedingungen, leisten die Angehörigen des Geschwaders im Rahmen des Such- und Rettungsdienstes für den gesamten süddeutschen Raum.

Der Such- und Rettungsdienst (SAR - Search And Rescue) als besondere Aufgabe der 2. Staffel des Lufttransportgeschwader 61 dient in erster Linie der Sicherheit der Luftfahrt. Er gewann ab 1960 als ständig einsatzbereites schnelles Rettungsmittel richtungsweisende Bedeutung für den späteren Aufbau der heutigen Luftrettungsdienste.

Das Lufttransportgeschwader 61 unterhält inzwischen 3 SAR-Kommandos, vorwiegend im süddeutschen Raum. Des weiteren hat der Verband für zwei Rettungszentren Lufttransportkapazität bereitzustellen.

Als Besonderheit dieses Geschwaders verdient die nunmehr über 30 Jahre währende Zusammenarbeit mit der bayerischen Bergwacht erwähnt zu werden. Tausende von Menschen in Bergnot verdanken dieser bewährten Zusammenarbeit ihr Leben.

Die Geschichte von Hilfs- und Sondereinsätzen beginnt im Jahre 1960 in Agadir. Es folgten weitere Einsätze nach Erdbeben, Überschwemmungen und Ernteausfällen in Südeuropa, Nordafrika und dem Nahen Osten. Bereits im Jahre 1966 konnte das Geschwader auf 100.000 Flugstunden seit Bestehen zurückblicken.

Als herausragende Ereignisse in den Folgejahren sind Hilfseinsätze in der Türkei sowie bei Bränden in der Lüneburger Heide und dem Untergang des Frachters "München" zu nennen.

Dass sich der militärische Lufttransport nicht nur für das Grobe eignet, sondern höchsten Qualitätsansprüchen gerecht wird, konnte 1979 und 1981 mit dem Transport der wertvollen Ausstellungen "Götter und Pharaonen" und "Tut Ench Amun" nachgewiesen werden.

1988 konnte man bereits auf 150.000 Flugstunden mit dem "Arbeitspferd" Transall und 75 Millionen zurückgelegten Kilometern zurückblicken. Drei Jahre später, 1991 wurde die 175.000 Flugstunde mit der Transall erflogen.

1992 begannen die humanitären Hilfseinsätze im Auftrag der Vereinten Nationen in Somalia und dem ehemaligen Jugoslawien. 1994 wurde mit der "Operation Airlift Ruanda" Hilfe für die notleidende ruandischen Flüchtlinge geleistet. Diese Aufgaben fordern von allen Beteiligten ein Höchstmaß an Präzision, Zuverlässigkeit und Einfühlungsvermögen, häufig bis an die Grenzen individueller und kollektiver Belastbarkeit.

Vergleiche mit anderen Verbänden braucht das Geschwader nicht zu scheuen. So steht es in den letzten Jahren im Frachtaufkommen weit an der Spitze aller Lufttransportverbände. Im Passagieraufkommen und im Luftumschlag wird es nur von der Flugbereitschaft des Bundesministerium der Verteidigung im "Drehkreuz Köln/Bonn" übertroffen. Im Februar 1993 hat das Lufttransportgeschwader 61 als erster fliegender Verband eine halbe Million Flugstunden erflogen.

Die Entwicklung der Aufgaben des Lufttransports stellte die Besatzungen regelmäßig vor neue Aufgaben. Ständig waren neue Probleme zu meistern. Dabei galt es immer, inmitten vieler Unwägbarkeiten schnell zu handeln, rasch operationelle und logistische Sonderverfahren zu entwickeln und einzuführen oder besondere Fragen der Sicherheit zu lösen. Fliegendes und technisches Personal des Geschwaders hat diese Anforderungen stets professionell erfüllt.

Hohe Anforderungen verlangen ihren Preis. Bei aller Professionalität, Umsicht und Können ließen sich Zwischenfälle und leider auch Flugunfälle nicht vermeiden. So hatte das Geschwader Verluste von Noratlas, bei denen die Besatzung und zum Teil auch Passagiere ums Leben kam, zu beklagen. 1986 und 1988 ereigneten sich Flugunfälle mit der Transall, bei denen nur Sachschaden entstand. Am 22.10.1995 verloren wir bei einem Flugunfall auf den Azoren die gesamte Besatzung ( Pilot, Co-Pilot, Navigator, Bordtechniker, zwei Ladungsmeister und einen Wart ).

Bei Einsätzen im Hubschrauberbereich waren leider ebenfalls mehrere Menschenleben und Totalverluste zu beklagen. Im November 1981 riss bei der Bergung eines Drachenfliegers in der Schwäbischen Alb das Seil der Rettungswinde. Der Luftrettungsmeister verunglückte tödlich. Auf dem Flug von Penzing nach Mitttenwald im August 1986 berührte ein Hubschrauber das Drahtseil eines Materialliftes und stürzte ab. Der Bordmechanikermeister kam dabei ums Leben. 1987 berührte eine Maschine während der Gerbigsflugausbildung eine Hochspannungsleitung. Der Bordmechanikermeister wurde dabei schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Im Juli 1993 berührte der Rotor eines auf dem Standstreifen einer Autobahn abgestellten Rettungshubschraubers einen Kühltransporter. Die Maschine wurde total zerstört. Personenschaden entstand nicht.

Der bisher schwerste Flugunfall ereignete sich im Dezember 1994. Auf dem Rückflug eines Krankentransports bei Nacht berührte die in Pferdsfeld stationierte Maschine den Fernmeldeturm in Mannheim. Die drei Besatzungsmitglieder und der sich an Bord befindende Notarzt konnten nur noch tot geborgen werden.

In den Jahren 1989 bis 1993 ist der Verband fast 70.000 Stunden in Folge unfallfrei geflogen. Lohn dafür war die Verleihung der Flugsicherheitsurkunde durch den Inspekteur der Luftwaffe im März 1993 und das Bewusstsein, in entschiedenster Weise zum guten Ruf der Luftwaffe, insbesondere des Lufttransports beigetragen zu haben.